OB-Wahl in Karlsruhe (Zensursula reloaded)

Geschrieben am 31. August 2012 in Netzpolitik von giggls || 3 Kommentare

Solange ich lebe hatte unsere Stadt nur CDU Oberbürgermeister und das obwohl wir es bei der vergangenen Landtagswahl beinahe geschafft hätten einen Direktkandidaten der Grünen, statt von der CDU nach Stuttgart in den Landtag zu schicken und auch obwohl unsere Stadt als Hochburg der Piratenpartei gilt. Die Zeichen stehen also eigentlich ganz gut.

Wer mich in diesem Zusammenhang kolosal nervt ist nun erstaunlicherweise die Piratenpartei.

Als ich 2009 begonnen habe diesen Blog zu schreiben wurde gerade das unsägliche Zugangserschwerungsgesetz vom Bundestag beschlossen, dass erheblich zum späteren Erfolg der Piratenpartei beigetragen hat.

Neben Zensursula selbst gab es damals noch einen weiteren Bundestagsabgeordneten der CDU, der mir sehr negativ aufgefallen ist. Ingo Wellenreuther aus Karlsruhe.

Bis heute hat sich Wellenreuther nicht von seiner abstrusen Meinung zu diesem Thema verabschiedet!

Zur Erinnerung hier noch mal seine damalige Rede auf Youtube:

Genau dieser Herr möchte nun zum Oberbürgermeister von Karlsruhe gewählt werden, und was macht die Piratenpartei? Sie lädt den Herrn zu einer Sitzung ein, damit er sich vorstellen kann…

Leute echt, das geht gar nicht, dieser Mensch ist unwählbar!

Wen also sonst wählen?

In der Tat bleibt bei realistischer Betrachtung nur Frank Mentrup übrig und ja, nachdem ich kürzlich auf einer Veranstaltung mit ihm auf dem Rad in Durlach unterwegs war glaube ich, dass er ganz sicher der bessere Bürgermeister für unsere Stadt ist.

Befragt zum Thema Open Data wies er darauf hin, dass eine Karlsruher Firma Open Data Software für die Stadt München schreibt und dass er es schade findet, das Karlsruhe diese nicht ebenfalls einsetzt.

Warum die Piratenpartei vor diesem Hintergrund immer noch mit einem Ingo Wellenreuther flirtet werde ich wohl nie verstehen. Das was Ihr da tut wäre doch in etwa damit vergleichbar, dass die Grünen einen OB-Kandidaten, der erklärter Kernkraft Befürworter ist, zur eigenen Sitzung einladen würden, statt ihn abzulehnen.

Ich glaubte eigentlich bis jetzt, dass die Zensursula Debatte so eine Art Gründungsmythos der Piratenpartei in Deutschland gewesen wäre, ganz ähnlich der Anti-AKW Geschichte bei den Grünen.

Ofensichtlich habe ich mich getäuscht :(

Piratenpartei: Reality Check Frau Kotting-Uhl

Geschrieben am 24. Oktober 2011 in Netzpolitik, Politik/politics von giggls || Kommentare deaktiviert

Auf ka-news gibt Frau Kotting-Uhl ein Interview zum Thema Kernenergie. Während ich die Aussagen zu diesem Thema abgesehen vom alarmistischen Unterton für weitgehend richtig halte kann ich die Äußerungen am Ende des Artikels zum Thema Piratenpartei nun wirklich nicht nachvollziehen!

Da wird der Erfolg der Piratenpartei mit dem Wunsch nach Neuem, unverbrauchten begründet! Unglaublich, dass hier noch nicht einmal ein Problembewußtsein existiert. Frau Kotting-Uhl, Sie und weitere 14 Bundestagsabgeordnete der Grünen sind dafür verantwortlich, dass Wähler, die bisher die Grünen gewählt haben in Scharen zu den Piraten übergelaufen sind!

Auch ich war damals sehr enttäuscht und habe zu diesem Thema ein Blogposting geschrieben. Eine Enttäuschung die sich übrigens auf meine Wahlentscheindung bei der Bundestagswahl ausgewirkt hat. Meine Erststimme ging damals an den Kandidaten der Piratenpartei, weil ich explizit niemanden wählen wollte der sich nicht explizit gegen Internetzensur ausgesprochen hat. Wenn ich nun Ihre aktuellen Aussagen bei KA-News lese muss ich im Nachhinein feststellen, dass das die richtige Entscheidung war, denn ein Problembewußtsein scheint nicht vorhanden zu sein.

GR-Wanderwege und der Trademark Wahnsinn

Geschrieben am 7. Januar 2011 in Internet, Netzpolitik, Openstreetmap von giggls || 4 Kommentare

Nops OSM basierte Reit- und Wanderkarte ist neben der Openpistemap eine meiner Lieblingskarten auf Openstreetmap Basis.

Eine vergleichbare Karte (auf Basis von proprietärer Daten) gibt es im ganze Web nicht. Es gibt lediglich einige ähnliche Karten, die ebenfalls OSM basiert sind.

Wegverlauf GR20

Quelle: Wikipedia

Beim browsen in der Karte ist mir die Tage aufgefallen, dass der berühmte Wanderweg GR20 auf Korsika dort nicht erscheint obwohl er als Relation 101692 bereits im Jahre 2009 erfasst wurde.

Die technischen die administrativen Gründe für dieses Problem sind selbstverständlich lösbar und der Weg könnte also demnächst auf der Karte erscheinen…

Könnte erscheinen, denn meine Frage nach den Fehlen des Weges auf der deutschen OSM Mailingliste führte zu einem Hinweis der mich ratlos und ehrlich gesagt auch wütend macht!

Sowohl die Abkürzung GR (französisch für Grande Randonnée) als auch die zugehörigen Farbmarkierungen sind eingetragene Marken des französischen Wandervereins.

Das wiederum bedeutet nach meinem naiven Verständnis, dass wir die Wege zwar selbstverständlich erfassen dürfen, diese aber weder als GR bezeichnen noch mit den korrekten Farbmarkierungen versehen dürfen. Keine Ahnung ob diese Annahme korrekt ist (IANAL).

Was tun sprach Zeus? Keiner von uns hat wohl ausreichende Kenntnis des Markenrechts um uns (am besten rechtsverbindliche) Auskunft geben zu können.

Fakt ist, dass eine Karte mit einer falschen Bezeichnung für einen Wanderweg und mit falscher Markierung erhebliche Verunsicherung erzeugen dürfte :(

Axel Springer Chef beleidigt uns :(

Geschrieben am 9. September 2010 in FOSS, Netzpolitik, Openstreetmap von giggls || Kommentare deaktiviert

Axel Springer Vorstandschef Mathias Döpfner hat laut einem Bericht der taz öffentlich davon geredet, dass die sogenannte Gratiskultur im Internet die Pressefreiheit bedrohen würde. Was für ein unglaublicher Bockmist! Der Originaltext der Rede würde mich dann doch mal interessieren.

Ehrlich gesagt erwarte ich von diesem Verlag ja ohnehin nicht sehr viel, aber diese Aussage halte ich schlichtweg eine Beleidigung all derer die sich im Umfeld freier Internetprojekte engagieren. Sei es nun bei Openstreetmap, bei der Wikipedia oder im FOSS Umfeld.

Wenn die Gratiskultur so schlimm ist Herr Döpfner, warum setzen Sie denn dann auf ihren Servern freie Software ein. Da sollten Sie sich dann konsequenterweise auch widersetzen!

Überhaupt dieser Begriff: “Gratiskultur”

Offensichtlich soll suggeriert werden dass hier unlauterer Wettbewerb betrieben wird indem man etwas das eigentlich Geld kosten würde kostenlos hergibt. Das Gegenteil ist der Fall. Durch croudsourcing Effekte und weltweite Zusammenarbeit entstehen Dinge kostenlos die ohne die Hilfe des Internets eben nur durch den Einsatz von Geld möglich waren. Das kann man mögen oder nicht, unlauterer Wettbewerb ist es jedenfalls nicht.

Digital Native = Selbstdarsteller?

Geschrieben am 5. Mai 2010 in Netzpolitik von giggls || Kommentare deaktiviert

Heute nimmt also die Enquete-Kommission “Internet und digitale Gesellschaft” ihre Arbeit auf. Im Heiseticker kann man dazu eine kurze Zusammenfassung lesen.

Ein wenig sauer stößt mir hingegen die dort verlinkte Bewertung von Politik Digital auf. Nach deren Definition ist man offensichtlich nur dann ein “Digital Native”, wenn man aktiv bei diesen neumodischen Datensammeldiensten wie Facebook und Konsorten dabei ist.

Sorry Leute, aber es gibt eine ganze Reihe von “Digital Natives”, die sich bewußt dagegen entscheiden haben Veröffentlichungen an anderer Stelle zu schreiben als auf ihrer privaten Webseite.

Nein, ich bin nicht bei Facebook, benutze Twitter nur sporadisch und auch in meinem Blog gibt es nur ab und zu einen Artikel. Eigentlich immer dann, wenn ich denke ich hab da was spannendes meist technisches was auch andere interessieren könnte.

Trotzdem kann man mich wohl zu den “Digital Natives” zählen. Dazu muss man nur mal meinen Namen bei Google eintippen :)

Dass dabei der fast nie benutzte Twitter Account tatsächlich an prominenter Stelle auftaucht zeigt dass auch Google subjektive Wahrnehmung fördert :(

Offensichtlich schon zu lange her, dass ich meinen Namen mal selbst gegoogelt habe.

FDP: Die richtige Meinung aus den falschen Gründen

Geschrieben am 28. Februar 2010 in Netzpolitik von giggls || Kommentare deaktiviert

Die FDP hat oft die richtige Meinung, aber fast immer aus den falschen Gründen. So habe ich das bisher immer formuliert wenn es um diese Partei und Ihre Meinung zu Bürgerrechten ging. Oft sind damit nämlich nicht die Rechte der Bürger gemeint sondern die Rechte der Wirtschaft. So verwundert es mich nun auch nicht im Geringsten, dass man heute in der Zeit lesen kann, dass die FDP gegen den Datenbrief ist.

Der Innenminister hingegen findet die Idee nicht verkehrt. Das wiederum sieht für mich irgendwie so aus, als ob man gemerkt hat, dass man im Netzpolitik Umfeld zulegen muss. Nun ja, ich bleibe nach der unsäglichen Rede der CSU-Frau Dorothee Bär vom Donnerstag dann doch skeptisch.

Die deutsche Wikipedia hat offensichtlich wirklich ein Problem :(

Geschrieben am 17. November 2009 in Netzpolitik, Openstreetmap von giggls || Kommentare deaktiviert

Da unterhält man sich ganz normal mit anderen Geeks und amüsiert sich über das xkcd Special zur Schließung von GeoCities. Webseiten, wie sie die alten Säcke unter uns alle noch erlebt haben. Soweit so lustig.

Nun schlägt man bei Wikipedia nach und stellt fest, dass da nur ein Teil der Realität beschreiben wird. Die Beschreibung darüber, dass diese Webseiten typischerweise ein wie soll man sagen “ganz spezielles” Aussehen hatten wurde schlichtweg als irrelevant gelöscht.

Das zu den Hochzeiten von GeoCities oft verwendete, eigenwillige Seitendesign – geprägt von animierten GIF-Bildern, Frames, blinkenden Hintergrundbildern, dudelnder Musik sowie “Under Construction”-Schildern – kann im Firefox-Browser durch ein Plugin simuliert werden.

Nun kann man das sicher besser formulieren, aber die zugrunde liegende Idee, dass gar keine Information besser ist als schlecht formulierte Information ist schlichtweg nicht akzeptabel.

In diesem Sinne, tun wir alles dafür, dass Openstreetmap niemals so enden muss! Ja Leute, eine Straße mit halbwegs richtigem Verlauf ist besser als gar keine Straße.

Zensursula zeigt Ihre Ahnungslosigkeit vom Internet

Geschrieben am 23. Juli 2009 in Netzpolitik, Uncategorized von giggls || Kommentare deaktiviert

Die Süddeutsche Zeitung zitiert Frau von der Leyen mit folgender Aussage:

In Online-Netzwerken, Blogs und Chats müsse ebenso wie im Schulalltag ein “achtsamer und wacher Umgang miteinander” eingefordert werden

Nur ein wenig jünger als meine eigenen Netzaktivitäten ist RFC 1855 “Netiquette Guidelines”!

Liebe Frau von der Leyen, solche Regeln gibt es im Netz seit Anbeginn, dazu brauchen wir keine gut gemeinten Tipps von Internetausdruckern! Vielleicht lesen Sie einfach mal den RFC 1855 von 1995 durch!

Pull vs. push

Geschrieben am 9. Juli 2009 in Netzpolitik von giggls || Kommentare deaktiviert

Bei Heise ist folgende Aussage vom Präsidenten des Bundesamts für Verfassungsschutz zu lesen:

Der Präsident des Bundesamts für Verfassungsschutz, Heinz Fromm, sprach von der großen Gefahr, dass Jugendliche und Erwachsene im Cyberspace “unvermittelt Hetze ausgesetzt sind”.

Wenn mit Internet wie üblich das Web gemeint ist, dann ist hier niemand unvermittelt irgendetwas ausgesetzt sondern der Inhalt wird üblicherweise aktiv aufgerufen.

Warum stellen sich eigentlich Leute deren Aufgabe es ist die Verfassung zu schützen öffentlich hin und behaupten, dass man uns im Internet unsere Grundrechte nehmen muß? Eigentlich fast schon ein Fall für §20 Abs. 4 GG.

Fefe hat das sehr treffend formuliert:

Ich finde es immer wieder unglaublich, dass die Leute nicht verstehen, dass die Meinungsfreiheit IMMER die Freiheit des stinkenden Arschlochs ist, seine widerliche Hasspropaganda zu äußern.

Dem ist von meiner Seite aus nichts mehr hinzuzufügen.

Das Internet der CDU ist nicht das Internet das ich kenne

Geschrieben am 23. Juni 2009 in FOSS, Netzpolitik von giggls || Kommentare deaktiviert

Gestern Abend lief auf Phoenix im Rahmen der Sendung “Unter den Linden” ein Streitgespräch mit dem Titel “Unter Piraten – Wem gehört das geistige Eigentum?” zwischen Prof. Rupert Scholz (CDU) und Dirk Hillbrecht, dem Vorsitzenden der Piratenpartei.

Jetzt auf dem Weg zum Linuxtag nach Berlin hatte ich im ICE genug Zeit mir mal den Podcast davon anzusehen.

Im Großen und Ganzen hat sich der Herr Hillbrecht für einen Amateurpolitiker eigentlich recht gut geschlagen.

Die Äußerungen des Herrn Scholz hingegen waren gar nicht gut für meinen Blutdruck!

Deutlich wurde die Tatsache, dass es sich bei dem Begriff “geistiges Eigentum” um einen Propagandabegriff handelt durch die Aussage von Herrn Scholz, dass Urheberrecht, Patentrecht und Markenrecht ja im Kern das selbe wären und durch das Grundgesetz als Eigentum geschützt wären.

Wenn ich so etwas höre kommt mir ja echt die Galle hoch. Digitale Inhalte sind eben gerade kein Eigentum wie es das Grundgesetz (zu Recht!) unter Schutz stellt. Außerdem tut hier definitiv differenzierte Betrachtung Not. Hier hätte Herr Hillbrecht deutlicher widersprechen müssen!

Bei Strafrechtlern ist es offensichtlich wie bei Innenministern. Da ist die Verschiebung der subjektiven Wahrnehmung weg von der Freiheit hin zu Sicherheit und Repression offensichtlich qua Amt gegeben.

Schade, dass Freie Software kein Thema war, denn die ist zusammen mit Wikipedia und anderen Projekten wie Openstreetmap (in dem ich selbst aktiv bin) das Beste Beispiel dafür, dass das Netz eben nicht nur strafrechtlich relevante Dinge enthält. Ja, dass Kreativität sogar ganz gut ohne finanzielle Anreize funktioniert.

Die Zeit hat hier guten Artikel der aufzeigt wie rückwärts gewandt die Netzpolitik der CDU ist.

Auch das Thema Internetzensur wurde angesprochen und da gab es eine sehr interessante Argumentation von Herrn Scholz warum man Netzssperren unbedingt braucht: Internationales Strafrecht sei viel zu kompliziert um die Täter zu verfolgen!

Wie man daraus schlußfolgern kann, dass man also quasi als Alternative (höchstwahrscheinlich) verfassungswidrige Websperren braucht kann offensichtlich nur jemand nachvollziehen der das Netz nicht ansatzweise verstanden hat.

Wann kapieren solche Leute eigentlich endlich, dass die Welt längst flach geworden ist und dass es in Zukunft schlichtweg überhaupt keine Alternative zu einem besser funktionierenden internationalen Strafrecht geben wird?

Die Zeit in der wir uns in unserem Nationalstaat einigeln können ist doch (dank Internet) schon längst vorbei.

Wer meint mit Hilfe von Netzzensur die Zeit zurückdrehen zu können, der tut mir echt leid.

Was ich zum Schluß noch loswerden möchte. Wie kann man ein Medium wie das Internet immer noch als Neu bezeichnen, wo es doch selbst das Web schon seit 15 Jahren gibt.

Ich selber bin seit genau dieser Zeit dabei. Damals noch mit .public_html auf dem Hochschulrechner.

Lassen wir es nicht zu, dass uns alte Männer mit Kugelschreibern das Internet kaputt machen.

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